Ein Lämmlein geht, und trägt die Schuld

1. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld / der Welt und ihrer Kinder; / es geht und büßet in Geduld / die Sünden aller Sünder. / Es geht dahin, wird matt und krank, / ergibt sich auf die Würgebank, / entsaget allen Freuden; / es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, / Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod / und spricht: „Ich wills gern leiden.“ Jes 53,4-7

2. Das Lämmlein ist der große Freund / und Heiland meiner Seelen; / den, den hat Gott zum Sündenfeind / und Sühner wollen wählen: / „Geh hin, mein Kind, und nimm dich an / der Kinder, die ich ausgetan / zur Straf und Zornesruten. / Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, / du kannst und sollst sie machen los / durch Sterben und durch Bluten.“

3. „Ja, Vater, ja, von Herzensgrund, / leg auf, ich will dirs tragen; / mein Wollen hängt an deinem Mund, / mein Wirken ist dein Sagen.“ / O Wunderlieb, o Liebesmacht, / du kannst, was nie ein Mensch gedacht, / Gott seinen Sohn abzwingen. / O Liebe, Liebe, du bist stark, / du streckest den in Grab und Sarg, / vor dem die Felsen springen.

4. Du marterst ihn am Kreuzesstamm / mit Nägeln und mit Spießen. / Du schlachtest ihn so wie ein Lamm, / machst Herz und Adern fließen, / das Herze mit der Seufzer Kraft, / die Adern mit dem edlen Saft / des purpurroten Blutes. / O süßes Lamm, was soll ich dir / erweisen dafür, dass du mir / erzeigest so viel Gutes?

5. Mein Lebetage will ich dich / aus meinem Sinn nicht lassen, / dich will ich stets, gleich wie du mich, / mit Liebesarmen fassen. / Du sollst sein meines Herzens Licht, / und wenn mein Herz in Stücke bricht, / sollst du mein Herze bleiben. / Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, / hiermit zu deinem Eigentum / beständiglich verschreiben.

6. Ich will von deiner Lieblichkeit / bei Nacht und Tage singen, / mich selbst auch dir zu aller Zeit / zum Freudenopfer bringen. / Mein Bach des Lebens soll sich dir / und deinem Namen für und für / in Dankbarkeit ergießen. / Und was du mir zugut getan, / das will ich stets, so tief ich kann, / in mein Gedächtnis schließen.

7. Erweitre dich, mein Herzensschrein, / du sollst ein Schatzhaus werden / der Schätze, die viel größer sein / als Himmel, Meer und Erden. / Weg mit den Schätzen dieser Welt / und allem, was ihr wohlgefällt! / Ich hab ein Bessres funden: / Mein großer Schatz, Herr Jesus Christ, / ist dieses, was geflossen ist / aus deines Leibes Wunden.

8. Das soll und will ich mir zunutz / zu allen Zeiten machen: / Im Streite soll es sein mein Schutz, / in Traurigkeit mein Lachen, / in Fröhlichkeit mein Saitenspiel; / und wenn mir nichts mehr schmecken will, / soll mich dies Manna speisen. / Im Durst solls sein mein Wasserquell, / in Einsamkeit mein Sprachgesell / zu Haus und auch auf Reisen.

9. Was schadet mir des Todes Gift? / Dein Blut, das ist mein Leben; / wenn mich der Sonne Hitze trifft, / so kann mirs Schatten geben. / Setzt mir der Schmerz der Wehmut zu, / so find ich bei dir meine Ruh / wie auf dem Bett ein Kranker; / und wenn des Kreuzes Ungestüm / mein Schifflein treibet um und um, / so bist du dann mein Anker.

10. Wenn endlich ich soll treten ein / in deines Reiches Freuden, / so soll dies Blut mein Purpur sein, / ich will mich darein kleiden. / Es soll sein meines Hauptes Kron, / in welcher ich will vor den Thron / des höchsten Vaters gehen / und dir, dem er mich anvertraut, / als eine wohlgeschmückte Braut / an deiner Seite stehen.